Rückblick Pfingstfest

Pfingsten im Treffpunkt Mensch

Musik und Lesung über die Bedeutung der Feuerzungen

Bad Reichenhall. Eine außergewöhnliche musikalische Darbietung konnten die Besucher, die außer aus Deutschland aus Singapur, USA, Südafrika, Österreich und der Schweiz kamen, bei der Pfingstfeier der Rudolf-Steiner-Gesellschaft im Treffpunkt Mensch erleben. Der italienische Cellist Davide Zavatti aus Linz spielte zwischen den biblischen Lesungen zum Pfingstfest und den Vortragstexten von Axel Burkart die Vertonung einiger Stücke aus dem Seelenkalender von Rudolf Steiner –  komponiert von Raphael Simčič. Zavattis Cello war auf 432 Hz gestimmt. Damit spürte er den Geheimnissen der Tonarten in der Musik und dem Jahreskreis zwischen Ostern, Pfingsten und Johanni als Atmung der Erde und Resonanz des Kosmos auf die Seele nach. Er nennt seine Musik „seelestial“. Diese Wortschöpfung verbindet das deutsche Wort „Seele“ mit dem lateinischen bzw. dem italienischen Wort für „himmlisch“ – celestus bzw. celestiale. Dahinter verbirgt sich die Vision, das musikalische Urwissen – auch frühere Komponisten arbeiteten mit der Symbolik von Tonarten -zu teilen und der Musik samt ihrem Auftrag an die Menschheit und für die Menschlichkeit neue Perspektiven zu eröffnen.

            In seiner Darbietung begann Zavatti mit Ostern und der Tonart C-Dur, die den Sonnenaufgang symbolisiert. Im Quintenzirkel fuhr er fort in G-Dur mit dem Frühling, der für die Unschuld steht, bevor er bei Johanni in D-Dur ankam. Die meditativen Melodien berührten kraftvoll die Seele, ebenso wie beispielsweise eine Hymne der Äbtissin Kassia (um 810 – 865) aus Konstantinopel, die erste Frau, die nachgewiesenermaßen als Komponistin arbeitete. Auch das Lied über die Liebe „Caritas abundat in omnia“  (Die Liebe überflutet alles) von Hildegard von Bingen in der nächsten Quint, nämlich A-Dur war zu hören. Zur Verstärkung der Schwingungen spielte ein Teilnehmer Klangschalen in der passenden Tonart.

            Eine Überraschung gab es, als danach gemeinsam mit dem Geiger Lauro Comploj vom Mozarteum-Orchester Salzburg Johann Sebastian Bachs Aria, „Bist du bei mir“ und danach das Präludium in E-Dur, der Tonart der Liebeswärme, erklang, in der auch die Arie des Sarastro aus der Zauberflöte steht. Comploj musste dazu seine Geige vom Kammerton 440 Hz auf 432 Hz herunter stimmen. Mit dem entschleunigten Tempo bei Bachs Präludium gaben die Musiker ihrer Interpretation eine besondere Wirkkraft.

            „Musik ist nicht nur ein Weg, um sich dem Herzen des Universums zu nähern, das Herz ist die Musik selbst,“ sagt Davide Zavatti zur Beziehung zwischen Mensch und Universum, der sich auch Axel Burkart in seinem Vortrag annäherte und sich auf das Johannes-Evangelium bezog, wo von der Kraft des Geistes und der Erkenntnis der Wahrheit die Rede ist, mit denen Gott gedient werden soll. An einer anderen Stelle sagt Jesus, er werde den Jüngern einen anderen Beistand schicken, den Geist der Wahrheit, und dieser werde sie frei machen. Burkart erklärte, dass die Menschen die Freiheit Christus und seinem Opfergang zu verdanken hätten. Nach der Erkenntnis der Wahrheit zu streben sei eine Form des Gottesdienstes. In der Naturwissenschaft gehe es um die Wahrheit über die Materie. Und die Sprache der Naturwissenschaft werde international verstanden. Seit Rudolf Steiner gebe es nun auch die Geist-Wissenschaft, die Anthroposophie (die Weisheit vom Menschen), die nicht nur eine lebendige Bildersprache entwickelt habe, sondern auch eine systematische Erkenntnis der geistigen Welt. In der Naturwissenschaft müsse man wissenschaftliches Denken lernen und dieses auf die Geist-Wissenschaft übertragen, so Burkart in seinen Ausführungen über das Sprachverständnis zur Zeit Jesu Christi und heute..

Die Freiheit könne man nur durch Schmerzen in der Materie erlangen, fuhr Burkart fort. Wer frei werden will, müsse diese Freiheit im Geist des Christus bewusst ergreifen. Die Feuerzungen der Erkenntnis lösten in einem Läuterungsprozess Begeisterung aus und würden Sünde in Göttliches verwandeln. So sei am Pfingstfest die Kraft des Heiligen Geistes geteilt worden, wodurch dieses Fest als ein Symbol für die innere Bewusstwerdung und für das Ringen um Freiheit als eine geistige Qualität gesehen werden könne.

Beitrag von Brigitte Janoschka

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere